Glücksspiel und Steuern sind in Deutschland eng miteinander verknüpft. Lizenzierte Anbieter unterliegen einer spezifischen Glücksspielsteuer, die auf ihre Bruttospielerträge erhoben wird.
Für Spieler stellt sich eine andere Frage: Müssen Gewinne aus Glücksspielen versteuert werden? Beide Fragen haben in Deutschland klare, wenn auch nicht immer einfache Antworten.
Die steuerliche Behandlung hängt von der Art des Glücksspiels, dem Status des Anbieters und der Situation des Spielers ab. Dieser Artikel erklärt die wesentlichen Aspekte der Glücksspielbesteuerung in Deutschland – für Anbieter und für Spieler.
Der folgende Überblick ordnet das Thema Glücksspielsteuer Deutschland sachlich ein und erklärt die wichtigsten Punkte für Leser in Deutschland.
In diesem Artikel
- Die Glücksspielsteuer für Anbieter
- Besteuerung von Online-Casinospielen
- Besteuerung von Sportwetten
- Besteuerung von Lotterien
- Spielbankabgabe für stationäre Spielbanken
- Auswirkungen der Anbietersteuer auf Spieler
- Grundsatz: Glücksspielgewinne sind in Deutschland grundsätzlich steuerfrei
- Ausnahme: Gewerbliches Glücksspiel
- Professionelles Pokerspiel
- Ausländische Glücksspielanbieter und Steuer
Hinweis: Die genaue rechtliche und praktische Bewertung kann sich je nach Anbieter, Lizenzstatus und aktueller Regulierung unterscheiden. Prüfen Sie daher immer die offiziellen Angaben des jeweiligen Anbieters.
Die Glücksspielsteuer für Anbieter
Lizenzierte Glücksspielanbieter in Deutschland unterliegen einer spezifischen Steuer auf ihre Spielerträge. Die konkrete Ausgestaltung dieser Steuer hängt von der Art des angebotenen Glücksspiels ab.
Besteuerung von Online-Casinospielen
Für Online-Casinospiele – also Slots, Roulette, Blackjack und vergleichbare Angebote – gilt seit dem 1. Juli 2021 eine Steuer in Höhe von 5,3 Prozent auf die virtuellen Spieleinsätze.
Diese Steuer wird nicht auf den Gewinn des Anbieters, sondern auf jeden einzelnen Spieleinsatz erhoben – unabhängig davon, ob der Anbieter in dieser Spielrunde einen Gewinn erzielt oder nicht. Diese Besteuerungsgrundlage – der Spieleinsatz statt des Bruttospielertrags – ist in der Glücksspielbranche umstritten.
Kritiker argumentieren, dass eine einsatzbezogene Steuer für Anbieter wirtschaftlich belastender sei als eine ertragsbasierte Steuer, weil sie auch dann anfällt, wenn ein Spieler gewinnt und der Anbieter keinen Ertrag erzielt. Aus diesem Grund haben manche Anbieter die Steuer indirekt an Spieler weitergegeben, indem sie die verfügbaren RTP-Werte im deutschen Markt angepasst haben.
Besteuerung von Sportwetten
Für Sportwetten gilt eine andere Steuerregelung. Sportwettenanbieter zahlen eine Steuer von fünf Prozent auf die Wetteinsätze.
Diese Regelung existiert bereits seit 2012 und wurde mit dem GlüStV 2021 fortgeführt. Auch hier wird die Steuer auf den Einsatz, nicht auf den Ertrag erhoben.
Das bedeutet: Für jeden Euro, den ein Spieler wettet, fallen fünf Cent Sportwettensteuer an – unabhängig vom Ausgang der Wette. In der Praxis haben viele Sportwettenanbieter diese Steuer in ihre Wettquoten eingerechnet oder bieten Spielern die Wahl, ob sie die Steuer selbst tragen oder der Anbieter sie übernimmt.
Letzteres wirkt sich in der Regel auf die angebotenen Quoten aus.
Besteuerung von Lotterien
Lotterien unterliegen in Deutschland einer anderen Steuerstruktur. Die Lotteriesteuer beträgt in der Regel 16,67 Prozent des Spieleinsatzes.
Sie wird von den staatlichen Lotteriegesellschaften abgeführt und ist bereits im Ticketpreis enthalten.
Spielbankabgabe für stationäre Spielbanken
Stationäre Spielbanken unterliegen der Spielbankabgabe, die von den Bundesländern festgelegt wird. Die Höhe variiert je nach Bundesland und kann einen erheblichen Teil des Bruttospielertrags umfassen.
Spielbanken sind zudem von der Umsatzsteuer befreit.
Auswirkungen der Anbietersteuer auf Spieler
Die Steuerbelastung der Anbieter hat indirekte Auswirkungen auf Spieler, auch wenn Spieler die Steuer nicht direkt zahlen. Bei Online-Casinospielen haben einige Anbieter die einsatzbezogene Steuer in ihre Spielgestaltung eingerechnet.
Das kann bedeuten, dass die im deutschen Markt verfügbaren RTP-Werte etwas niedriger sind als in anderen Märkten, oder dass bestimmte Spielvarianten angepasst wurden. Bei Sportwetten ist der Effekt direkter sichtbar.
Manche Anbieter zeigen Quoten an, die bereits die Steuer einschließen, während andere separat ausweisen, ob die Steuer vom Anbieter oder vom Spieler getragen wird. Spieler sollten beim Vergleich von Wettquoten darauf achten, wie die Steuer behandelt wird.
Müssen Spieler ihre Gewinne versteuern? Die steuerliche Behandlung von Glücksspielgewinnen auf Spielerseite ist eine der häufigsten Fragen im Zusammenhang mit Online-Glücksspiel in Deutschland.
Die Antwort ist nuanciert und hängt von mehreren Faktoren ab.
Grundsatz: Glücksspielgewinne sind in Deutschland grundsätzlich steuerfrei
Nach deutschem Einkommensteuerrecht sind Gewinne aus Glücksspielen grundsätzlich nicht steuerpflichtig. Sie zählen nicht zu den sieben Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes und müssen daher in der Regel nicht in der Steuererklärung angegeben werden.
Das gilt für Gewinne aus Lotterien, Sportwetten, Casinospielen und anderen Glücksspielen – sowohl bei lizenzierten als auch bei anderen Anbietern. Die Steuerfreiheit ergibt sich daraus, dass Glücksspielgewinne als Zufallsgewinne und nicht als Einkommen aus einer Tätigkeit oder einem Kapitalvermögen gelten.
Ausnahme: Gewerbliches Glücksspiel
Die Steuerfreiheit gilt nicht uneingeschränkt. Wer Glücksspiel gewerbsmäßig betreibt – also planmäßig, mit erheblichem Umfang und mit der Absicht der Gewinnerzielung als Haupteinkunftsquelle – kann steuerlich anders behandelt werden.
In der Praxis ist die Abgrenzung zwischen privatem und gewerblichem Glücksspiel nicht immer einfach. Die Finanzbehörden können im Einzelfall prüfen, ob die Gewinne eines Spielers die Merkmale gewerblicher Einkünfte erfüllen.
Für die überwiegende Mehrheit der Gelegenheitsspieler ist diese Ausnahme jedoch nicht relevant.
Professionelles Pokerspiel
Eine besondere Situation ergibt sich beim professionellen Pokerspiel. Mehrere Finanzgerichte haben in der Vergangenheit entschieden, dass professionelle Pokerspieler, die durch strategisches Spielen und erhebliche Übung systematisch Gewinne erzielen, unter Umständen gewerbliche Einkünfte erzielen, die der Einkommensteuer unterliegen.
Diese Rechtsprechung ist nicht einheitlich und hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Wer Poker professionell und mit systematischer Gewinnabsicht betreibt, sollte steuerlichen Rat in Anspruch nehmen.
Ausländische Glücksspielanbieter und Steuer
Die Steuerfreiheit von Glücksspielgewinnen gilt unabhängig davon, ob der Anbieter in Deutschland lizenziert ist oder nicht. Gewinne bei ausländischen Anbietern sind grundsätzlich ebenso steuerfrei wie Gewinne bei deutschen lizenzierten Anbietern.
Es gibt allerdings eine Besonderheit bei ausländischen Anbietern aus Nicht-EU-Staaten: In bestimmten Konstellationen könnten ausländische Quellensteuern anfallen, die im Ausland einbehalten werden. Das ist ein komplexes Thema, das von den konkreten Umständen abhängt und im Zweifelsfall steuerlich geprüft werden sollte.
Verluste aus Glücksspiel und steuerliche Behandlung
Da Glücksspielgewinne grundsätzlich steuerfrei sind, sind Verluste aus Glücksspiel umgekehrt auch nicht steuerlich absetzbar. Wer bei einem Online Casino Geld verliert, kann diesen Verlust nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen.
Das gilt sowohl für Gelegenheitsspieler als auch für Spieler, die regelmäßig spielen. Eine Ausnahme könnte theoretisch für gewerbsmäßige Spieler gelten, bei denen die Gewinne steuerpflichtig sind – in diesem Fall könnten Verluste als Betriebsausgaben absetzbar sein.
Glücksspielsteuer und Schwarzmarkt
Ein erklärtes Ziel des GlüStV 2021 ist die Eindämmung des Schwarzmarkts. Die steuerliche Behandlung spielt dabei eine indirekte Rolle.
Ein regulierter Markt mit transparenter Besteuerung ermöglicht es dem Staat, Steuereinnahmen aus dem Glücksspielsektor zu generieren, die bei nicht lizenzierten Anbietern vollständig entfallen. Gleichzeitig wird diskutiert, ob die Höhe der Steuer – insbesondere die einsatzbezogene Steuer für Online-Casinospiele – dazu beiträgt, dass regulierte Angebote für Spieler weniger attraktiv sind als nicht lizenzierte Angebote, die keine deutschen Steuern zahlen und dadurch potenziell höhere RTP-Werte anbieten können.
Diese Diskussion ist nicht abgeschlossen. Sie berührt die grundsätzliche Frage, wie hoch die Steuerbelastung für lizenzierte Anbieter sein darf, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des regulierten Markts gegenüber dem nicht regulierten Markt zu gefährden.
Häufig gestellte Fragen
Müssen Spieler Glücksspielgewinne in Deutschland versteuern?
Grundsätzlich nein. Glücksspielgewinne sind nach deutschem Einkommensteuerrecht steuerfrei, da sie nicht zu den sieben Einkunftsarten zählen.
Ausnahmen können bei gewerbsmäßigem Glücksspiel gelten.
Wie hoch ist die Glücksspielsteuer für Online-Casinoanbieter?
Für Online-Casinospiele gilt seit dem 1. Juli 2021 eine Steuer von 5,3 Prozent auf die virtuellen Spieleinsätze.
Die Steuer wird auf jeden Einsatz erhoben, unabhängig vom Ergebnis der Spielrunde.
Wie wird Sportwettensteuer berechnet?
Sportwettenanbieter zahlen fünf Prozent auf die Wetteinsätze. Manche Anbieter übernehmen diese Steuer selbst, andere geben sie an Spieler weiter.
Das wirkt sich auf die angebotenen Quoten aus.
Sind Verluste aus Glücksspiel steuerlich absetzbar?
Nein. Da Glücksspielgewinne grundsätzlich steuerfrei sind, sind Verluste umgekehrt auch nicht steuerlich absetzbar.
Gilt die Steuerfreiheit auch bei ausländischen Online Casinos?
Grundsätzlich ja. Die Steuerfreiheit von Glücksspielgewinnen gilt unabhängig davon, ob der Anbieter in Deutschland lizenziert ist.
Bei Anbietern aus Nicht-EU-Staaten können in bestimmten Konstellationen ausländische Quellensteuern eine Rolle spielen.
Warum zahlen Online-Casino-Anbieter eine einsatzbezogene Steuer und keine Gewinnsteuer?
Die einsatzbezogene Steuer wurde mit dem GlüStV 2021 eingeführt. Sie ist einfacher zu berechnen und zu kontrollieren als eine ertragsbasierte Steuer.
Ihre wirtschaftlichen Auswirkungen auf Anbieter und Spieler sind Gegenstand laufender Diskussionen.
Fazit
Glücksspielsteuer Deutschland ist ein Thema, bei dem rechtliche Vorgaben, praktische Nutzung und Spielerschutz zusammen betrachtet werden müssen. Entscheidend ist, Informationen sachlich einzuordnen, Anbieterangaben kritisch zu prüfen und die geltenden Regeln des regulierten deutschen Marktes zu beachten.