Influencer-Marketing für Online-Glücksspielanbieter ist in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Werbeformat geworden. Auf YouTube, Twitch, Instagram und TikTok präsentieren Creators Casino-Inhalte, zeigen Live-Sessions mit Echtgeldeinsätzen und empfehlen bestimmte Anbieter ihren Followern.
In Deutschland ist dieses Format rechtlich klar reguliert. Die Anforderungen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 und die GGL-Werberichtlinie gelten ausdrücklich auch für Influencer-Marketing.
Gleichzeitig gibt es erhebliche praktische Durchsetzungsprobleme, weil Inhalte auf internationalen Plattformen schwer zu kontrollieren sind. Dieser Artikel erklärt, welche Regeln für Glücksspielwerbung durch Influencer in Deutschland gelten, welche Anforderungen an Kennzeichnung und Inhalt gestellt werden und wo die aktuellen Grenzen der Durchsetzung liegen.
Was ist Glücksspiel-Influencer-Marketing? Glücksspiel-Influencer-Marketing umfasst alle Formen der werblichen Kommunikation für Glücksspielanbieter, die von Influencern auf sozialen Plattformen durchgeführt werden.
Das Spektrum reicht von einfachen Produktempfehlungen in Posts oder Stories über gesponserte Inhalte mit Rabattcodes bis hin zu Live-Streaming-Sessions, in denen Influencer mit Echtgeld bei einem bestimmten Anbieter spielen. Besonders verbreitet ist das Casino-Streaming – primär auf Twitch und YouTube –, bei dem Spieler ihre Echtgeld-Sessions live übertragen.
Diese Formate können sehr hohe Reichweiten erzielen und ein Publikum ansprechen, das mit klassischer Fernsehwerbung nicht erreicht wird.
Der folgende Überblick ordnet das Thema Glücksspielwerbung Influencer Deutschland sachlich ein und erklärt die wichtigsten Punkte für Leser in Deutschland.
In diesem Artikel
- Rechtlicher Rahmen in Deutschland
- Lizenzpflicht für den beworbenen Anbieter
- Sachlichkeit und Pflichthinweise
- Keine Ansprache vulnerabler Gruppen
- Kennzeichnungspflicht: Transparenz gegenüber Followern
- Besonderheiten beim Casino-Streaming
- Plattformspezifische Regelungen
- Durchsetzung durch die GGL
- Verantwortung der Anbieter
- Häufig gestellte Fragen
Hinweis: Die genaue rechtliche und praktische Bewertung kann sich je nach Anbieter, Lizenzstatus und aktueller Regulierung unterscheiden. Prüfen Sie daher immer die offiziellen Angaben des jeweiligen Anbieters.
Rechtlicher Rahmen in Deutschland
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 und die GGL-Werberichtlinie legen fest, welche Anforderungen für Glücksspielwerbung gelten. Diese Anforderungen erstrecken sich ausdrücklich auf alle Werbeformen – also auch auf digitale und soziale Medien sowie auf Influencer-Marketing.
Lizenzpflicht für den beworbenen Anbieter
Werbung für Glücksspielanbieter ohne gültige GGL-Lizenz ist in Deutschland verboten. Das gilt unabhängig vom Medium und vom Werbetreibenden.
Ein Influencer, der einen nicht lizenzierten Anbieter bewirbt, betreibt damit Werbung für ein in Deutschland illegales Angebot.
Sachlichkeit und Pflichthinweise
Glücksspielwerbung muss sachlich sein und darf keine irreführenden Darstellungen über Gewinnwahrscheinlichkeiten, Gewinnsummen oder das Risiko des Glücksspiels enthalten. Sie muss einen gut sichtbaren Pflichthinweis auf die Risiken des Glücksspiels und auf Beratungsangebote enthalten.
Für Influencer bedeutet das: Ein gesponserte Post oder Video für ein Online Casino muss einen klar lesbaren Hinweis auf Suchtrisiken enthalten – nicht versteckt im Kleingedruckten oder als schnell vorbeihuschendes Element.
Keine Ansprache vulnerabler Gruppen
Werbung darf sich nicht an Minderjährige oder andere vulnerable Gruppen richten. Das betrifft nicht nur den expliziten Inhalt, sondern auch die Reichweite: Influencer, deren Publikum überwiegend aus Minderjährigen besteht, dürfen grundsätzlich keine Glücksspielwerbung machen.
Das ist in der Praxis schwierig zu bestimmen, weil Influencer häufig gemischte Zielgruppen haben und Plattformen keine vollständigen Altersdaten ihrer Nutzer veröffentlichen.
Kennzeichnungspflicht: Transparenz gegenüber Followern
Neben den glücksspielrechtlichen Anforderungen gelten für Influencer die allgemeinen Werbekennzeichnungspflichten nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und dem Medienstaatsvertrag. Gesponserte Inhalte müssen als Werbung gekennzeichnet sein.
Das bedeutet: Wenn ein Influencer für einen Casino-Anbieter bezahlt wird oder andere geldwerte Vorteile erhält, muss dieser Inhalt klar als Werbung erkennbar sein. Eine versteckte Produktplatzierung ohne Kennzeichnung ist als Schleichwerbung unzulässig.
Die Kennzeichnung muss prominent und unmissverständlich sein. Bezeichnungen wie „Werbung", „Anzeige" oder „Ad" müssen gut sichtbar platziert werden – nicht am Ende eines langen Textes oder als kleines Symbol, das leicht übersehen werden kann.
Besonderheiten beim Casino-Streaming
Casino-Streaming auf Twitch und YouTube hat sich zu einem eigenständigen Glücksspiel-Content-Format entwickelt. Dabei streamen Influencer Live-Sessions in Online Casinos, häufig mit sehr hohen Einsätzen und kommentieren das Spielgeschehen für ihr Publikum.
In Deutschland stellen diese Formate besondere Fragen. Ist ein Live-Stream, in dem ein Influencer spielt und dabei den genutzten Anbieter erwähnt, Werbung?
Ist er Unterhaltungscontent? Oder ist es etwas dazwischen?
Die rechtliche Einordnung hängt von den konkreten Umständen ab: Erhält der Influencer vom Anbieter Geld, freie Spielguthaben oder andere Vorteile? Nennt er Rabattcodes oder Empfehlungslinks?
Wenn ja, handelt es sich eindeutig um Werbung mit allen entsprechenden Pflichten. Auch rein organisches Streaming – ohne direkte Vergütung – kann regulatorisch relevant sein, wenn der Eindruck entsteht, dass ein bestimmter Anbieter empfohlen wird.
Plattformspezifische Regelungen
Neben den deutschen Regulierungsanforderungen haben auch die Plattformen selbst eigene Regeln für Glücksspiel-Content. Twitch hat Anfang 2023 Slot-Streaming weitgehend verboten, nachdem es erhebliche Kritik an der Normalisierung von Hochrisiko-Glücksspielverhalten gegeben hatte.
YouTube erlaubt Glücksspiel-Content unter bestimmten Bedingungen, verlangt aber Altersbeschränkungen. TikTok und Instagram haben ihrerseits Richtlinien, die Glücksspielwerbung einschränken.
Die Durchsetzung dieser Plattformregeln ist jedoch uneinheitlich.
Durchsetzung durch die GGL
Die GGL ist für die Durchsetzung der deutschen Werberegeln zuständig – auch gegenüber Influencern. In der Praxis ist die Durchsetzung jedoch komplex.
Viele Casino-Influencer haben ihren Sitz im Ausland oder produzieren Content auf Plattformen, die außerhalb der deutschen Jurisdiktion liegen. Die GGL kann Untersagungsverfügungen erlassen, aber die grenzüberschreitende Durchsetzung ist schwieriger als bei inländischen Anbietern.
Dennoch hat die GGL in diesem Bereich Aktivitäten entfaltet und kooperiert mit Plattformbetreibern und anderen europäischen Aufsichtsbehörden, um Verstöße zu ahnden.
Verantwortung der Anbieter
Lizenzierte Anbieter, die Influencer als Werbeträger einsetzen, tragen Mitverantwortung dafür, dass die Werbung den regulatorischen Anforderungen entspricht. Sie sind verpflichtet, sicherzustellen, dass Influencer-Kooperationen die Werberichtlinien einhalten.
Das betrifft die Überprüfung, ob die Zielgruppe des Influencers überwiegend erwachsen ist, ob Pflichthinweise korrekt eingebunden werden, ob Inhalte sachlich und nicht irreführend sind und ob die Kennzeichnungspflichten erfüllt werden.
Häufig gestellte Fragen
Ist Influencer-Werbung für Online Casinos in Deutschland erlaubt?
Unter strengen Bedingungen ja. Der beworbene Anbieter muss eine gültige GGL-Lizenz haben.
Die Werbung muss sachlich sein, Pflichthinweise auf Suchtrisiken enthalten und als Werbung gekennzeichnet sein.
Dürfen Influencer für nicht lizenzierte Casino-Anbieter werben?
Nein. Werbung für Anbieter ohne GGL-Lizenz ist in Deutschland verboten – unabhängig vom Medium und vom Werbetreibenden.
Müssen gesponserte Casino-Posts als Werbung gekennzeichnet sein?
Ja. Wenn ein Influencer für Casino-Inhalte bezahlt wird oder andere geldwerte Vorteile erhält, muss der Inhalt klar als Werbung gekennzeichnet sein.
Dürfen Influencer mit jugendlichem Publikum für Online Casinos werben?
Nein. Werbung darf sich nicht an Minderjährige richten.
Influencer, deren Publikum überwiegend aus Minderjährigen besteht, dürfen keine Glücksspielwerbung machen.
Ist Casino-Streaming auf Twitch oder YouTube in Deutschland erlaubt?
Das hängt von den konkreten Umständen ab. Wenn ein Influencer für das Streaming bezahlt wird oder Affiliate-Vergütungen erhält, gelten alle Anforderungen für Glücksspielwerbung.
Twitch hat Slot-Streaming weitgehend verboten.
Verfolgt die GGL Verstöße durch Influencer?
Die GGL hat Aktivitäten in diesem Bereich entfaltet, die Durchsetzung ist aber komplex, weil viele Influencer im Ausland ansässig sind oder auf internationalen Plattformen agieren.
Fazit
Glücksspielwerbung Influencer Deutschland ist ein Thema, bei dem rechtliche Vorgaben, praktische Nutzung und Spielerschutz zusammen betrachtet werden müssen. Entscheidend ist, Informationen sachlich einzuordnen, Anbieterangaben kritisch zu prüfen und die geltenden Regeln des regulierten deutschen Marktes zu beachten.